Strom aus menschlichen Abwässern

Über fünf Millionen Menschen leben im Ruhrgebiet. Und die produzieren fäkalienhaltige Abwässer, die beispielsweise im Emscherkanal, einem unterirdischen, parallel zum Fluss Emscher verlaufenden Abwasserkanal, enden. Dessen Abwasser wird von vier modernen Kläranlagen gereinigt. Diese bereiten das Wasser aber nicht nur auf, sondern sind auch Energielieferanten. Allein in den Bottroper Kläranlagen fließt das Abwasser von knapp 1,5 Mio. Menschen zusammen. Darin ist Bioabfall, der große Mengen an Energie enthält.
Was früher auf der Deponie landete, wird heute zur Energiegewinnung genutzt. In über 50 Meter hohen Faultürmen zersetzen Bakterien den menschlichen Bioabfall zu Klärgas. Das besteht zu 70 Prozent aus energiereichem Methan. Die Mikroben brauchen bis zu 25 Tage, um den Klärschlamm in Biogas umzuwandeln. Mit diesem Gas werden Blockheizkraftwerke betrieben. Ungefähr 7.000 durchschnittliche Haushalte können damit ein Jahr lang mit Strom versorgt werden.
Der „ausgefaulte“ Klärschlamm kann auch noch weiter genutzt werden. Zuerst wird feingemahlene Kohle beigemischt. Das erhöht den Brennwert und vereinfacht die Entwässerung. Mit speziellen Pressen wird der Klärschlamm dann zwei Stunden lang entwässert. Das so präparierte Produkt verfügt dann über einen hohen Energiegehalt und wird in zwei Heizöfen verbrannt. Der dabei entstehende Wasserdampf treibt eine Turbine an, die über drei Megawatt erzeugt.
Die „Energiequelle Mensch“ wird unsere globalen Versorgungsprobleme bestimmt nicht lösen. Wir verbrauchen viel mehr Energie, als wir durch noch so cleveres Energie-Ernten jemals gewinnen können. Am Ausbau von großen alternativen Energiekonzepten und am Energiesparen führt kein Weg vorbei. Doch punktuell und lokal können solche Projekte viel bewirken. Durch neue Technologien nutzen sie bislang kaum gebrauchte Ressourcen und schaffen ein Bewusstsein für die Energieproblematik der Welt.